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Nächster und übernächster Akt im Datenschutz-Skandal
Eigentlich wollte ich diesen Eintrag schon letzte Woche schreiben, aber leider habe ich es zeitlich mal wieder nicht auf die Reihe bekommen. Daran muss ich wirklich mal was ändern. In der Zwischenzeit ist schonwieder so viel passiert, dass man daraus eigentlich schon zwei Einträge machen könnte.
Der Skandal weitet sich jedenfalls stetig weiter aus und betrifft mittlerweile hauptsächlich die Telekom. Bereits am 04. Oktober wurde bekannt, dass der Mobilfunksparte, T-Mobile, im Jahre 2006 rund 17 Millionen Datensätze abhanden gekommen sind, bei denen es sich um Kundenstammdaten, teilweise auch von Prominenten und anderen Personen des öffentlichen Lebens, handelte.
Kurz darauf wurde dann bekannt, dass diese Datensätze bereits damals einem Mainzer Erotikunternehmer angeboten wurden, der sie quasi zu Beweissicherungszwecken seitdem lagert. Er hatte seinen Fund schon damals T-Mobile gemeldet. Das Unternehmen äußerte daraufhin die Absicht, die Polizei einschalten zu wollen, es passierte aber nichts weiter.
Selbst nachdem der Unternehmer die Bundesjustizministerin über die Daten informiert hatte, meldete sich lediglich einmalig ein Konzernsicherheitsbeauftragter von T-Mobile, danach passiert wieder nichts.
Am vergangenen Samstag kam dann der nächste Schlag für das in Datenschutzfragen wohl sowieso schon stark angekratze Image des rosa Riesen. Wieder war es der Spiegel, der intime Details der Datenschutzpraktiken bei T-Mobile enthüllte.
Ungefähr 30 Millionen Stammdaten von T-Mobile-Kunden waren bis vor kurzem fast ungeschützt im Internet abruf- und sogar änderbar. Für den Zugang benötigte man nur wenige Benutzerangaben und ein einfaches Passwort. Diese Dinge waren nicht nur den Mitarbeitern in T-Punkten bekannt, sondern hatten auch schon die Hacker-Szene erreicht. Laut der Telekom wurde diese Sicherheitslücke mittlerweile durch die Einführung eines Authentizierungsverfahrens beseitigt.
Heute sind dann die Firmen- und Privaträume des Erotikunternehmers aus Mainz von der Staatsanwaltschaft Bonn durchsucht worden. In meinem Augen nicht unbedingt ein feiner Zug, nachdem dieser die Daten jahrelang sowohl aufbewahrt als auch auf ihren Besitz aufmerksam gemacht hat, ohne sie (nach aktuellem Kenntnisstand) zu missbrauchen.
Grund für die Durchsuchung sollen Tatsachen gewesen sein, die zur Annahme führten, dass sich in den Räumen des Unternehmers weitere Indizien auf die Herkunft der Daten und ihrer Diebe finden lassen könnten.
Die in der letzten Zeit bekanntgewordenen Vorfälle bei der Telekom und ihren Tocherunternehmen sind beängstigend, besonders im Hinblick darauf, dass das gleiche Unternehmen die bei der allseits beliebten Vorratsdatenspeicherung anfallenden Daten speichert und sowohl bei der Entwicklung als auch bei der späteren Umsetzung der Gesundheitskarte beteiligt ist. Unter anderem daran zu sehen, dass die Bundesnetzagentur mittlerweile eine Stellungnahme der Telekom zu den aktuellen Ereignissen gefordert hat. Der Konzern ist rechtlich aber nicht zu einer Äußerung verpflichtet.
Bisher waren die Gefahren für einen gläsernen Menschen eher in den regierungsnahen Ebenen zu finden, mittlerweile bekommen diese starke Konkurrenz von der Privatwirtschaft.